Eine Elf ohne Heimat
Fußball hat in Oberzissen eine lange Tradition: Schon vor fast 100 Jahren gab es eine Mannschaft, deren Farben Grün und Weiß waren. Unseren Verein gab es damals hingegen noch lange nicht – und unseren Sportplatz auch nicht.
Bis 1968 wurden die Spiele unserer Mannschaften überall, außer in Oberzissen, ausgetragen. Ganz zu Beginn auf einem Sportplatz in der Maarheide, später auch an der Brohltalstraße zwischen Ober- und Niederzissen – dort, wo heute die Seniorenresidenz Villa Romantica steht.
Selbst nach der Vereinsgründung blieb die Oberzissener Mannschaft noch für drei weitere Jahre eine Elf ohne Heimat. Ihre Heimspiele trug sie zunächst Auf dem Strauben in Niederoberweiler aus, dann in Königsfeld und schließlich wieder auf dem Sportplatz an der Brohltalstraße.
Bis zum Frühjahr 1968: Seitdem residiert der Oberzissener Fußball im eigenen Stadion Im Bröhl.
Das allererste Spiel fand, vor 400 Zuschauern, gegen den VfR Waldorf statt und wurde 3:1 gewonnen; das erste Lokalderby gegen den SC Niederzissen – gleichzeitig das erste Eröffnungsspiel bei der Sportplatzeinweihung am 15. Mai 1968 – sogar 4:1.



Die Gründung des SV Oberzissen
Die Elf ohne Heimat war endlich angekommen. Sie hatte nicht nur Im Bröhl eine Heimat gefunden, sondern ein echtes Zuhause: Unseren Sportverein, den SV Oberzissen – oder kurz: den SVO.
Der SVO wurde am 28. Mai 1965 in unserem früheren Vereinslokal Jägerstube gegründet.
Die Jägerstube wurde bis 2002 von Ilse und Norbert Scheuer betrieben. Das Lokal, das heute zum Teil ein Barber-Shop ist, hatte von der dramatischen Vereinsgründung – sie gelang 1965 erst im zweiten Anlauf – über Siege und Niederlagen bis hin zu Auf- und Abstiegen alles gesehen, was im Fußball möglich ist.
Noch heute erinnern sich viele unserer ehemaligen Spieler gern an die schönen Erlebnisse in ihrem alten Vereinslokal zurück.




Übrigens stammen unsere Spieler schon immer vor allem aus den Ortschaften Brenk, Galenberg, Hain, Niederdürenbach, Oberdürenbach und Oberzissen. In der Gründungszeit unseres Vereins war deswegen vom SVO als dem SV Olbrück die Rede. Sicherlich ist das auch der Grund dafür, warum die Burg Olbrück unser Vereinswappen ziert.
Zurück zum 28. Mai 1965: Manfred Friedsam wurde damals zum 1. Vorsitzenden gewählt – und der Bau des neuen, eigenen Sportplatzes das wegweisende Projekt der ersten Jahre.
Tatsächlich wurde es ein Projekt mit großer Strahlkraft: Durch den eigenen Sportplatz erlebte die sportliche Aktivität einen kaum erwarteten Aufschwung. Es konnte bald eine 2. Mannschaft in der 3. Kreisklasse starten. Ebenso wurde eine Altherrenmannschaft aktiv. Auch der Jugendspielbetrieb wurde aufgenommen.
Sportliche Erfolge und Tiefpunkt
Der SVO etablierte sich schnell, und sportliche Hoch und Tiefs wechselten sich ab.
Bereits in der Saison 1970/71 gelang ihm der Aufstieg in die damalige 1. Kreisklasse (heute Kreisliga B). 1980/81 stieg der SVO ab, 1983/84 wieder auf, und 1985/86 zog er sogar erstmals in die A-Klasse ein (von diesen Feierlichkeiten stammt auch das Titelbild auf dieser Seite). Was folgte, war ein echtes „Fahrstuhljahrzehnt“: Dreimal stieg der SVO in den 1990er Jahren aus der A-Klasse ab und zweimal, 1991/92 und 1995/96, wieder auf.




Seinen sportlichen Tiefpunkt erreichte der SVO schließlich in der Mitte der 2000er, als er nach dem Abstieg in die B- und dann in die C- beinahe auch noch in die D-Klasse abgestiegen wäre. In der Relegation – und damit sozusagen in letzter Sekunde – gelang ihm aber doch noch der Klassenerhalt.
Fußballerische Zeitenwende
Der große Aufschwung, auf dem die sportlichen Leistungen unseres Vereins bis heute beruhen, erfolgte dann endlich in der Saison 2011/12. Zahlreiche Jugendspieler erhielten damals ihre Chance im Seniorenbereich – und sie nutzten sie bestmöglich. Unsere 1. Mannschaft stieg in die Kreisliga B auf, unsere 2. Mannschaft gründete sich neu.









2015/16 stieg unsere 2. Mannschaft in Kreisliga C, 2019/20 sogar in die Kreisliga B auf – das waren fußballerische Spähren, die bisher ausschließlich unsere 1. Mannschaft erreicht hatte. Seit der aktuellen Saison 2026/27 geht unsere 2. Mannschaft, nach einem Jahr in der Kreisliga C, wieder in der Kreisliga B auf Torejagd.




Unsere 1. Mannschaft stieg 2016/17 in die Kreisliga A auf, wo sie in den darauffolgenden beiden Saisons jeweils die Vizemeistermeisterschaft und 2019/20 schließlich die Meisterschaft errang. Mit dem zusätzlichen Gewinn des Bitburger Kreispokals krönte die 1. Mannschaft damals eine herausragende Saison.



Seit der Saison 2020/21 spielt der SVO nun bereits ununterbrochen in der Bezirksliga Mitte des Fußballverbands Rheinland – in der aktuellen Saison 2026/27 sogar als einer von nur zwei Vereinen aus dem Kreis Ahrweiler.
Hochwertige Sport-Infrastruktur
Unsere Sportanlage Im Bröhl blieb in all dieser Zeit ein Projekt von großer Strahlkraft.
1991/92 wurde der 1968 gebaute Sportplatz um 90 Grad gedreht und komplett erneuert: Seitdem wird nicht mehr in Richtung von der Straße zum Brohlbach gespielt, sondern von Hain nach Niederzissen. Auch das alte Clubheim wurde abgetragen. An seiner Stelle entstand die heutige Brohltalhalle.



Ausdruck des großen Engagements unseres Vereins für den Sport sind insbesondere die vielen Bautätigkeiten seit 2004. Damals wurde der Grundstein für unser neues Vereinsheim gelegt, das 2005, zum 40-jährigen Vereinsjubiläum, eingeweiht wurde.
Zum 50-jährigen Vereinsjubiläum im Jahr 2015 erfolgten erneut umfangreiche Renovierungsarbeiten: Unser Hartplatz wurde in einen Hybrid-Rasenplatz umgewandelt, überdachte Mannschaftsbänke für die Heim- und die Gastmannschaft entstanden, die Tribüne wurde angelegt. 2016 schließlich errichteten wir unser Kunstrasen-Kleinspielfeld, wodurch unsere Sportanlage Im Bröhl ihr heutiges Aussehen erhielt.








Unsere hochwertige Sport-Infrastruktur bietet seitdem allen Teams und Spielern beste Bedingungen für sportliche Leistungen. Selbst Profi-Fußballvereine wie der 1. FSV Mainz 05 und Rot-Weiß Essen schätzen die hohe Qualität: Mehrfach haben die Vereine seit 2022 Testspiele ihrer U19- bzw. Profi-Mannschaft bei uns ausgetragen.


Jugendarbeit als Herzstück unseres Vereins
Bereits 1969, nur ein Jahr nach Fertigstellung unseres eigenen Sportplatzes Im Bröhl, nahm der Jugendspielbetrieb des SVO Fahrt auf – wenn zunächst auch nur mit einer einzigen Mannschaft. Schon 1972 jedoch kamen zwei weitere Mannschaften hinzu.
Unsere Jugendmannschaften wurden schnell erfolgreich. Den ersten Meistertitel überhaupt gewann unsere damalige D7-Jugend in der Saison 1975/76, den ersten Titel als Hallenkreismeister holte unsere damalige E-Jugend in der Saison 1999/00. Die vielen sportlichen Erfolge dazwischen und seitdem sind ungezählt.
Auch die hervorragende Jugendarbeit unseres Vereins selbst ist mehrfach ausgezeichnet worden. Ihr wurde u.a. der Sepp-Herberger-Preis (1989), der Jugendförderpreis des DFB Gemeinsam aktiv – Familienspaß im Fußballverein (1996), der Förderpreis der Verbandsgemeinde Brohltal (1997 und 1998), der Jugendförderpreis von Toto-Lotto Rheinland-Pfalz Für die Jugend aktiv (1998), der Jugendförderpreis der Sportjugend Rheinland Jugend für Toleranz und Demokratie (2002), der Monatssieg im Rahmen des Wettbewerbs Sportvereine – Wir bewegen Menschen (2005), der Jugendförderpreis der Egidius-Braun-Stiftung (2007) sowie der Fritz-Walter-Preis (2011) zuerkannt.



Seit 1975 besteht eine enge Sportfreundschaft mit der Jugendabteilung des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, die unser Gründungsvorsitzender Manfred Friedsam geknüpft hatte. Viele Jugendmannschaften des Bundesligisten sind seitdem bei uns Im Bröhl zu Besuch gewesen, z. B. aus Anlass unseres großen Sportwochenendes im Juni 1996, als Oberzissen zum Mekka des Jugendfußballs wurde. Aber auch viele Jugendliche des SVO sind zum Gegenbesuch auf dem früheren Bökelberg gewesen. Im Jahr 2000 bestritt unsere damalige E-Jugend vor zuletzt 15.000 bis 20.000 Zuschauern sogar ein Bundesliga-Vorspiel gegen die gleichaltrige Fohlen-Elf.




Seit Anfang der 2000er kooperieren wir mit anderen Vereinen aus der Umgebung im Jugendbereich: Einzelne Jugendmannschaften werden als Spielgemeinschaften aufgestellt. Gleich zu Beginn, von 2006 bis 2008, war die damalige A-Jugend äußerst erfolgreich, als ihr der Aufstieg in die Rheinlandliga gelang.
Inzwischen ist diese Kooperation im Jugendbereich als Jugendspielgemeinschaft (JSG) Zissen institutionalisiert.
Der SVO – mehr als nur Fußball
Seit 1970 ist der SVO auch das Zuhause unserer Damen-Gymnastikgruppe, seit den 1990er Jahren unseres Badminton-Teams sowie seit kurzem unserer Ü50-Sportgruppe.
Die Kirmes findet alljährlich am letzten Augustwochenende an unserem Sportplatz statt, und von 1986 bis 2004 richtete der SVO in jedem Jahr das Straßenturnier aus, in dem der FC Schießgraben, der Müllewääsch, der FC Bahnsbröck, die City Kickers, die Quackenbach Tornados sowie die Lindenstraße/Obere Brohltalstraße (auch FC Norddorf) mit voller Leidenschaft um die Dorfmeisterschaft kickten.
Ob Fußballer oder nicht:
Seit über 60 Jahren haben wir das Vertrauen, dass wir uns alle aufeinander verlassen können.
Wir gedenken der leider so früh verstorbenen Vereinsmitglieder und Sportkameraden – und freuen uns doch gleichzeitig auf all das Schöne, das die Zukunft uns noch bringen wird!

